Wir können uns den Schlussfolgerungen von ProFans in Sachen
50+1 nur anschließen. Wer vor kurzem erst eine Kriegserklärung aus sehr weiten
Teilen der Fanszene bekommen hat, sich dann gesprächsbereit äußert und direkt
das Messer in den Rücken des Patienten Fußball haut – der hat wahrlich gar
nichts verstanden. Nicht nur ein bisschen nicht verstanden sondern gar nicht
verstanden. Fußball ist Volkssport, Vereine haben trotz der wirtschaftlichen
Aspekte immer noch eine soziale Funktion, schaffen hohe Identifikation und
bringen Menschen zusammen die sonst nie zusammen kommen würden, damit handelt
man nicht. Das verkauft man nicht, das verramscht man nicht.
Wir sind gespannt auf die Reaktion die folgt, wenn die 50+1 Regel wirklich angetastet wird. Ich denke das was Anfang der Saison in deutschen Stadien passiert ist war im Vergleich ein Kindergeburtstag.
Damit dürfte ein Kampf losbrechen an dessen Ende entweder die 50+1 Regel oder toten Stadien stehen.
Wir sind gespannt auf die Reaktion die folgt, wenn die 50+1 Regel wirklich angetastet wird. Ich denke das was Anfang der Saison in deutschen Stadien passiert ist war im Vergleich ein Kindergeburtstag.
Damit dürfte ein Kampf losbrechen an dessen Ende entweder die 50+1 Regel oder toten Stadien stehen.
Die Stellungnahme von ProFans im Wortlaut:
21. Februar
2018
Es ist kein
halbes Jahr her, da hatte der DFB, der in Bezug auf Ausnahmen von der
50+1-Regel neben der DFL ebenfalls zustimmen muss, in Person von DFB-Präsident
Reinhard Grindel noch großspurig gesagt: „Wir haben verstanden, dass es um mehr
geht. Der Fußball in Deutschland steht auch für Stehplätze, faire
Eintrittspreise und die 50+1-Regel.“
Aber wie es
aussieht, hat man – wie so oft – bei DFB und DFL mal wieder rein gar nichts
verstanden. Wiederholt sind die beschwichtigenden Worte aus den
Entscheidungszentralen nur leere Phrasen und nichts anders als
Stammtischparolen.
Nachdem
Martin Kind seinen Antrag auf Ausnahme von der 50+1-Regel bei der DFL ruhend
gestellt hat, verkündeten er und die DFL überraschend einträchtig, dass man
stattdessen die 50+1-Regel als Ganzes auf den Prüfstand stellen wolle. Von
einer Modifizierung ist die Rede, zu der nun alle 36 DFL-Mitgliederclubs eine
Meinung haben sollen. Und das, obwohl die Ausnahmekriterien zur 50+1-Regel erst
in 2014 von allen 36 DFL-Mitgliederclubs einstimmig beschlossen und geregelt
wurden – sogar mit der Stimme Kinds. Das Problem von Martin Kind, dass er
selbst aufgrund ungenügender Förderung keine Ausnahmegenehmigung für sich
bekommen hat, ist nun zum Problem aller geworden.
Ohnehin ist
es um die Verantwortlichen um Christian Seifert (DFL), Reinhard Grindel oder
auch Rainer Koch (DFB), der sich letzten Sommer in Bezug auf die Thematik
Ismaik/1860 München noch als vermeintlicher Verteidiger von 50+1 hervorgetan
hat, in dieser Frage sehr ruhig geworden in den ersten Wochen seit der
Nicht-Entscheidung zu Kinds Antrag. Offensichtlich möchten sich die
Verantwortlichen bei DFB und DFL nicht die Finger verbrennen, indem sie zu früh
mit ihren eigenen Positionen aus der Deckung kommen. Stattdessen lässt man
Funktionäre wie Axel Hellmann (Eintracht Frankfurt) für sich sprechen oder
Kapital-Lobbyisten wie Alfred Draxler (Bild), Rainer Franzke (Kicker) und
Wolfgang Holzhäuser (ehemals Bayer Leverkusen) von der Leine, die schön
orchestriert erst einmal ihre Meinungen verbreiten, um dann zu sehen, wie der
Wind steht.
Einer Sache
sollten sich aber alle in Sachen Windrichtung sicher sein: Bundesweit wird ein
Sturm heraufziehen, sollten die Verantwortlichen bei DFB und DFL nicht
schleunigst ein Machtwort für den Erhalt von 50+1 in seiner jetzigen Form
sprechen:
Die angestrebte Diskussion um 50+1 ist eben nicht nur eine Schönheitsdiskussion um irgendwelche Vereins-und Unternehmensstrukturen, sondern definitiv der sportpolitisch wichtigste Kampf in der nahen Zukunft für alle Fans.
Die angestrebte Diskussion um 50+1 ist eben nicht nur eine Schönheitsdiskussion um irgendwelche Vereins-und Unternehmensstrukturen, sondern definitiv der sportpolitisch wichtigste Kampf in der nahen Zukunft für alle Fans.
Die
50+1-Regel sei nicht mehr zeitgemäß und ähnliche argumentationslose Phrasen
sollen einen Erneuerungsbedarf fingieren. Dabei wird vergessen, dass die
50+1-Regel gerade erst einmal 18 Jahre alt und damit die modernste Regelung
ihrer Art in Europa ist und erst kürzlich eine jahrelange Debatte endete,
zuletzt mit dem offensichtlich vorgegaukelten Bekenntnis Reinhard Grindels im
August 2017.
Die
neuerdings populäre Aussage, jeder Verein möge doch selbst entscheiden, wann
und ob er das Mehrheitsstimmrecht an Investoren abgeben will, bedeutet
letztlich nichts anderes als die de facto Abschaffung von 50+1 durch die
Hintertür, selbst wenn sie offiziell auf dem Papier noch bestünde, aber eben
totmodifiziert.
Der
Möglichkeit der Auslagerung von Profiabteilungen aus den Vereinen, welche
angeblich dem Schutz der Muttervereine dienen sollte, stimmten die Mitglieder
der auslagernden Vereine nur aufgrund des mit der gleichzeitigen Einführung der
50+1 Regel geschaffenen Vertrauens in die dauerhafte Bestandskraft dieser Regel
zu. Mit der nun angedachten Grundsatzdiskussion zur 50+1-Regel ist jedoch nicht
weniger als der letzte Schritt in die Totalkommerzialisierung des Vereinssports
Fußball beabsichtigt.
Sollte es so
kommen, wird sich kein Verein oder Club – trotz geschaffener Satzungsregelungen
zum Schutz der 50+1-Regel – den Marktzwängen dauerhaft entziehen können.
Die weltweit
attraktivste Liga soll nun zum Ausverkauf bereitstehen. Wolfgang Holzhäuser forderte
kürzlich ganz unverblümt lediglich eine dreijährige Kapitalbindung für
Investoren und bezeichnete diese allen Ernstes als langfristig. Das nur
vermeintlich plumpe Schreckensgespenst der ungezügelten Investoreneinstiege und
eines Investoren-Hoppings durch Heuschrecken wäre dann Realität.
Im Gegenzug
sollen Fans mit vermeintlichen Zugeständnissen geblendet werden. Verbote von
Namensänderungen oder geänderten Vereinsfarben sowie kompletten
Standortverlagerungen sollen als Lockmittel dienen, um den Widerstand auf
Seiten der Fans gering zu halten und das Thema salonfähig zu machen. Würde man
ernsthaft einen Dialog mit den Fans führen wollen, würde man diese
Selbstverständlichkeiten nicht mit der 50+1-Regel verknüpfen, sondern sie
unabhängig davon einfach festschreiben und umsetzen.
Dass unter
den angestrebten Verhältnissen trotzdem Eintrittspreise steigen oder
Trikotfarben den Hauptsponsoren angepasst würden ist so klar wie die damit
verbundenen Veränderungen für die Fanszenen, die oft auch von DFL und DFB beschworene
Fankultur und das soziale Mengengefüge im Stadion.
Um es
deutlich zu sagen:
Das plötzliche Anzetteln einer neuerlichen Grundsatzdiskussion zur 50+1 Regel ist nichts anderes als die persönliche sportpolitische Bankrotterklärung von Christian Seifert.
Spielt man dieses Spiel um eine Modifikation von 50+1 bei DFB und DFL mit, öffnen die Verantwortlichen damit unweigerlich ihre eigene Büchse der Pandora. In Hannover hat man gesehen, zu was für Zerwürfnissen und Beschädigungen die Debatte um 50+1 geführt hat. Im Kleinen können DFB und DFL solche Widerstände im Einzelfall vielleicht nach dem Motto „Augen zu und durch“ handhaben. Ob man allerdings zum Wohle des bundesweiten „Premiumprodukts“ Profifußball dazu bereit ist, sich mit den Fans in ganz Deutschland anzulegen, sollte dagegen gut überlegt werden.
Das plötzliche Anzetteln einer neuerlichen Grundsatzdiskussion zur 50+1 Regel ist nichts anderes als die persönliche sportpolitische Bankrotterklärung von Christian Seifert.
Spielt man dieses Spiel um eine Modifikation von 50+1 bei DFB und DFL mit, öffnen die Verantwortlichen damit unweigerlich ihre eigene Büchse der Pandora. In Hannover hat man gesehen, zu was für Zerwürfnissen und Beschädigungen die Debatte um 50+1 geführt hat. Im Kleinen können DFB und DFL solche Widerstände im Einzelfall vielleicht nach dem Motto „Augen zu und durch“ handhaben. Ob man allerdings zum Wohle des bundesweiten „Premiumprodukts“ Profifußball dazu bereit ist, sich mit den Fans in ganz Deutschland anzulegen, sollte dagegen gut überlegt werden.
Eine
Aufweichung bzw. de facto Abschaffung der 50+1-Regel unter dem Deckmantel einer
Modifizierung ist eine klare Kriegserklärung an alle Fans bundesweit. Christian
Seifert und Reinhard Grindel sollten die Büchse der Pandora schnellstens wieder
schließen und den Fans in Deutschland gegenüber verbindlich und vor allem
endlich glaubhaft erklären, dass 50+1 nicht angetastet wird.
Herr
Seifert, Herr Grindel, ob Sie verstehen oder nicht:
Keine 50+1-Grundsatzdiskussion!
Keine 50+1-Grundsatzdiskussion!
ProFans, im
Februar 2018
Quelle: www.profans.de
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